Dezember - 04.12.2022

Nachdenklich schweben meine Finger über der Tastatur. Mein Kopf versucht die Gedanken zu sortieren, doch es will nicht so ganz gelingen. Gerade eben habe ich mich geduscht und mein Rucksack gepackt. Während ich überlege, ob ich wirklich alles mithabe, was ich mitnehmen muss, bzw. mitnehmen möchte. Mein MacBook landet auch gleich darin. 

Ich bin relativ ruhig. Das denke ich zumindest, oder ich möchte es mir einreden. Warum sollte ich Panik schieben. Die OP nach der ich mich so lange sehne, steht unmittelbar bevor. Noch zwei Nächte trennen mich von Schmerzen und Flüssignahrung. Eine gute Freundin hat mich jedoch zum Grübeln gebracht. 

Warum tue ich es? Eigentlich bin ich der Meinung das jeder auf seine eigene Weise schön ist. Jeder ausser mir. Nach jahrelangen Mobbing kann mich einfach nicht so sehen, wie die anderen mich sehen. Wenn ich mir meine Fotos anschaue ist alles, was ich wahrnehme mein Überbiss. Es ist nicht schön. Ich finde mich nicht schön. Egal, was all die wundervollen Menschen sagen, die sich in mein Leben geschlichen haben.

Wird es mir das bringen, was ich mir erhoffe? Ich weiß es nicht. Bis gestern, habe ich mich nicht mit dieser Frage auseinander gesetzt. Es war für mich klar - ICH MACHE ES FÜR MICH - für mein Seelenheil. Was wenn dieser nicht eintrifft? Was, wenn meine Erwartung an die OP so hoch sind, es aber trotzdem nicht so sein wird, wie ich es mir vorstelle? Jetzt gerade denke ich, dass alles besser wird als wie es im Moment aussieht. Ich bin von Natur aus ein Pessimistischer Mensch - solange ich wach werde und etwas fühle, ist es für mich schon die halbe Miete.

Wird mir das Endergebnis gefallen? Hoffentlich, man lässt sich ja nicht um sonst die Kiefer brechen, oder? Ich glaube ich werde erst kurz vor der OP realisieren, dass es jetzt kein zurück mehr gibt und dass es tatsächlich bald losgeht. Es könnte so viel schief gehen. Ich könnte mein Geschmack verlieren, das Gefühl in der Lippe verlieren oder verbluten - langsam und jämmerlich xD usw. usw. Trotzdem nehme ich alles in den Kauf für ein schönes Lächeln.

Für ein schönes Lächeln.

Für mich.

Damit ich mich selbst hübsch finde.

Damit ich mich selbst liebe.

Damit ich mich wohlfühlen kann.

Die inneren Narben, die man in meiner Seele hinterlassen hat, werden nie vollständig heilen. Aber zumindest, werde ich daran nicht mehr im Spiegel erinnert.

Wünscht mir Glück und denkt an mich.

Petra Grell

Buchautorin

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